Glossar Unternehmensnachfolge
Nüchterne Erklärungen zu Begriffen aus Nachfolge, Unternehmenskauf und vertraulichem Austausch. Mit Schweizer Kontext und Quellen.
Stand 11. September 2026
Wozu dieses Glossar dient
Bei einer Unternehmensnachfolge treffen rechtliche, finanzielle und zwischenmenschliche Fragen aufeinander. Fachbegriffe verkürzen die Verständigung, können aber auch falsche Sicherheit erzeugen. Dieses Glossar ordnet ausgewählte Begriffe knapp ein. Es richtet sich an Inhaberinnen und Inhaber, Nachfolgende sowie Führungspersonen in Schweizer KMU. Die Texte erklären den üblichen Sprachgebrauch. Sie ersetzen keine rechtliche, steuerliche oder finanzielle Prüfung im Einzelfall.
Die Begriffe stehen nicht isoliert. Eine Due Diligence kann Erkenntnisse liefern, die sich auf den Kaufpreis oder einen Earn-out auswirken. Ein Peer Board schafft einen Rahmen, um Erfahrungen zu solchen Situationen zu besprechen. Die Chatham House Rule beschreibt dabei eine verbreitete Regel für den vertraulichen Umgang mit erhaltenen Informationen.
Vier Begriffe, vier Funktionen
Die Chatham House Rule betrifft die Zuordnung von Aussagen. Informationen aus einer Sitzung dürfen verwendet werden. Identität und Zugehörigkeit der sprechenden oder teilnehmenden Personen dürfen nicht offengelegt werden. Die Regel ist nicht dasselbe wie vollständige Geheimhaltung. Sie muss vor dem Gespräch klar vereinbart werden. Gesetzliche Pflichten, Berufsgeheimnisse und vertragliche Vertraulichkeitsregeln bleiben separat zu beachten.
Ein Peer Board ist eine regelmässig tagende Gruppe von Personen mit vergleichbarer Führungsverantwortung. Die Mitglieder bringen reale Fragestellungen ein und spiegeln Erfahrungen und Sichtweisen. Das Format ist von einem formellen Verwaltungsrat zu unterscheiden. Ein Peer Board hat ohne besondere Vereinbarung keine organschaftliche Stellung und keine gesetzliche Entscheidungsbefugnis. Auch Beratung und Coaching sind andere Rollen.
Begriffe aus dem Unternehmenskauf
Ein Earn-out ist ein bedingter Teil des Kaufpreises. Seine spätere Zahlung hängt von vertraglich festgelegten Ergebnissen oder Ereignissen ab. Damit lässt sich eine unterschiedliche Einschätzung der künftigen Entwicklung überbrücken. Zugleich verschiebt das Modell Konflikte in die Zeit nach dem Vollzug. Kennzahlen, Berechnung, Einflussrechte, Informationszugang und Sonderfälle müssen deshalb präzise geregelt werden.
Due Diligence bezeichnet die strukturierte Prüfung eines Unternehmens vor einer Transaktion. Sie kann finanzielle, rechtliche, steuerliche, kommerzielle, personelle, technische und weitere Bereiche umfassen. Der Umfang hängt von Unternehmen, Branche und Transaktion ab. Die Prüfung reduziert Informationsunterschiede, beseitigt Unsicherheit aber nicht. Das SECO-KMU-Portal empfiehlt Kaufinteressierten eine vertiefte Prüfung mit eigenen Fachpersonen und eine eigene Unternehmensbewertung.
Für den grösseren Zusammenhang helfen die Perspektiven zum Ablauf einer Unternehmensnachfolge, zur Unternehmensbewertung von KMU und zum Management Buyout. Sie zeigen, an welcher Stelle Begriffe in einem Prozess praktisch relevant werden.
Grenzen und Umgang mit Quellen
Ein Glossareintrag bildet keine allgemein verbindliche Vertragsdefinition. Parteien können Begriffe enger oder weiter fassen. Bei englischen Ausdrücken gibt es zudem keine stets identische deutsche Übersetzung. Massgebend sind der konkrete Vertrag, das anwendbare Recht und der tatsächliche Sachverhalt. Steuerfolgen können sich nach Struktur, Beteiligten und weiterer Tätigkeit der verkaufenden Person unterscheiden.
Die Einträge stützen sich auf die Originalerläuterung von Chatham House, das KMU-Portal des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO, Schweizer Hochschulmaterial und Fachliteratur. Quellen werden pro Begriff ausgewiesen. Wo die Forschung begrenzt ist, wird dies vermerkt. Wer eine Teilnahme am Kreis prüft, findet den sachlichen Prozess unter Aufnahme.